08.09.-07.10. die deutsche Alpenstraße .......

Vor zwei Jahren sind wir von Berchtesgaden kommend Teile der deutschen Alpenstraße gefahren, was uns ausnehmend gut gefallen hatte. So wurde die Idee geboren, da für uns eine Auslandsreise wegen der allgemeinen Corona-Situation nicht in Frage kam, die deutsche Alpenstraße von West nach Ost (bis Ruhpolding - Inzell) zu bereisen. Der Abschluss sollte dann auf dem uns bekannten Campingplatz Seehäusl in Chieming erfolgen, wobei dies der einzige Platz war, den wir vorgebucht hatten. Zum Glück, denn wir waren nicht die Einzigen, die diese Idee hatten !! 

Die Anreise bis Lindau hatten wir in zwei Etappen geteilt. Die erste Strecke führte uns bis zur Karolingerstadt Lorsch in Südhessen. Da die Anreise nur rund 120 km betrug waren wir bereits zur Mittagszeit auf dem Stellplatz und haben deshalb auch ohne Probleme einen Platz gefunden. Die Situation änderte sich aber zusehends, sodaß am Nachmittag bereits alle Plätze belegt waren.

Die Abteil Lorsch wurde im Jahre 764 gegründet und von den Benediktinern des Klosters Gorze in der Nähe von Metz besiedelt. Heute stehen jedoch nur noch Überreste der Anlagen. Auf dem relativ weitläufigem Gelände befindet sich das Kloster Altenmünster, das Besucherzentrum, das Kirchenfragment und die Königshalle. Ein Besuch ist lohnenswert, auch die an die Königshalle anschließende Altstadt hat ihren Reiz.

Am nächsten Tag ging es weiter zur Burg Hohenzollern. Diese liegt auf einem 855m hohen Bergkegel und ist schon bei der Anfahrt von weitem her zu erkennen. Auf dem Parkplatz unterhalb der Burg befinden sich 5 Wohnmobilstellplätze auf denen gegen eine geringe Gebühr auch übernachtet werden kann.  Von hier aus verkehrt ein Shuttle-Bus zum Eingang der Burg, welcher aber auch zu Fuß in ca. 20 m erreicht werden kann. Bei der Burg handelt es sich um die Stammburg des Fürstengeschlechts und ehemals regierenden preußischen Königs- und Kaiserhauses der Hohenzollern.

Da es sehr heiß war haben wir die Nutzung des kostenlosen Shuttle-Buses bevorzugt. Die Anlage ist schon gewaltig und man hat von dort einen wunderbaren Blick in die umliegende Landschaft. Bevor wir die innenliegende Burg besuchen gehen wir erst einmal im äußeren Ring um die Burganlage und genießen den Ausblick. Danach wird das Innere der Burg besichtigt inclusive den kaiserlichen Räumlichkeiten (eigentlich sehr bescheiden !) und den Kasematten. Zum Abschluss gönnen wir uns im Café des Innenhofs einen Kuchen, bevor wir uns - diesmal zu Fuß - auf den Rückweg zu unserem Wohnmobil machen. Am späten Nachmittags leert sich der Parkplatz zusehends und wir genießen eine ruhige Nacht.

Bevor wir mit unserem eigentlichen Vorhaben, der Fahrt über die deutsche Alpenstraße, beginnen wollten, hatten wir uns vorgenommen noch vier Tage in der Nähe von Lindau am Bodensee zu bleiben. Hier hatten wir uns den Camping Iriswiese in Kressborn aus nostalgischen Gründen ausgesucht, da wir dort vor 45 Jahre einen Teil unseres Urlaubs verbracht hatten. Wir hatten uns dort unseren ersten gemeinsamen Hund (Bastian - Zwergrauhhaardackel) zugelegt und nette Gespräche mit unseren Nachbarinnen, zwei netten älteren Damen und Mannschaftskameradinnen von Christl Cranz bei den olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch, geführt. Die Beiden haben uns Tipps zur Erziehung unseres Hundes gegeben.

Wir hätten es uns eigentlich denken können. Je näher wir dem Bodensee kamen, desto mehr Wohnmobile kamen uns entgegen. Grob geschätzt war jedes zweite Fahrzeug ein Wohnmobil und somit war eigentlich schon klar ....... Plätze am Bodensee wird es wohl keine mehr geben. Kressbronn ausgebucht, zwei weitere Stellplätze und ein Campingplatz vollständig belegt. Letzte Idee war der Camping Gitzweiler Hof, der ein paar Kilometer vom Bodensee im Landesinneren liegt. Bei der Ankunft schon eine riesige Schlange von Neuankömmlingen. Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegegeben, aber wir ergattern doch noch einen Platz für vier Tage.  

Von hier aus kommt natürlich der Roller zum Einsatz. Bis zur Insel Lindau mit seiner Altstadt sind es rund 7 km. Die Strecke könnten man eigentlich auch mit einem Fahrrad bewältigen, wäre da nicht der Rückweg, denn da geht es teilweise heftig bergauf. Wir verbringen vier schöne Tage auf dem Camping, bevor wir dann in der Hoffnung auf weniger Touristen unsere eigentliche Tour beginnen.

Der erste Teilabschnitt mit rund 44 km führt uns über die B308 nach Oberstaufen - Steibis zum Stellplatz Hochgratblick. Obwohl wir wegen der kurzen Distanz sehr früh ankommen ist nur noch ein Platz in der ersten Reihe frei. Da die Plätze in der hinteren Reihe uns nicht gefallen, beschließen wir drei Nächte zu bleiben, damit wir den Platz in der ersten Reihe belegen können. 

Von der Lage ist der Platz wunderschön, grenzt direkt an eine Kuhweide mit einem wunderschönen Blick in die Landschaft. Die Entsorgung ist unzureichend, Strom benötigen wir glücklicherweise wegen der Solaranlage und des kürzlich eingebauten Wechselrichters (für Margrits Kaffeemaschine) nicht. Und so werden es drei wunderschöne Tage !

In Steibis hatte Christl Cranz früher eine Skischule unterhalten. Gerade die Gegend um Oberstaufen scheint eine Eldorado für bekannte weibliche Skiläuferinnen zu sein. So kamen auch Barbi Henneberger und Heidi Biebl aus diesem Ort.

Natürlich wollen wir nicht drei Tage nur auf dem Stellplatz verbringen. Und so beschließen wir neben der Besichtigung des Ortes auch eine Wanderung zu den Buchenegger Wasserfällen zu unternehmen. Unseren Hund mit seinen 14,5 Jahren haben wir im Wohnmobil gelassen, was sich im Hinblick auf die Wegstrecke und teilweise heftigen Anstiege als richtig erweisen sollte. Glücklicherweise gibt es auf halber Strecke eine bewirtschaftete Alm an der wir auf dem Rückweg eine Pause "zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes" eingelegt haben.

Als nächsten Zwischenstopp hatten wir uns den Stellplatz Wiesengrund in Bad Hindelang ausgesucht. Es war wie fast überall ..... rappelvoll. Wir schafften es gerade noch mit dem Wohnmobil wieder vom überfüllten Stellplatz herunter zu kommen. Der Ausweichcampingplatz in Oberjoch wurde angesteuert. Die Fahrt dorthin war landschaftlich reizvoll, der Platz zwar mit freien Plätzen, aber dunkel und irgendwie trostlos. Also ging es weiter nach Wertach in der Nähe vom Grüntensee. Beide Campingplätze (Waldesruh und International) waren belegt, der Stellplatz beim Camping International überfüllt und trostlos.......aber nur ein paar Meter weiter fanden wir den Stellplatz am Buron mit Blick auf den See und ausreichend großen Stellplätzen und das alles für 10,00 € . Die Tagesetappe war mit 42 km wieder einmal "überschaubar"! Auf der anderen Straßenseite gab es ein nettes kleines Restaurant. Für Hund und Katze war der Platz ideal und so haben wir auch hier vier schöne Tage verbracht. Mit unserem Roller konnte Wertach (6 km) und Nesselwang (8 km) schnell erreicht werden. Den uns bekannten Stellplatz in Nesselwang haben wir mit dem Roller angefahren und wie sollte es anders sein ...... er war rappelvoll !

Der nächste Abschnitt der Alpenstraße wurde mit rund 100 km mal wieder etwas länger. Über Füssen und vorbei an Schloß Neuschwanstein ging es über Oberammer-gau zum Kloster Ettal. Dieses wollte ich eigentlich besichtigen, aber diese Idee hatten wohl auch noch Andere. Die Parkplätze waren alle überfüllt und einen Platz für das Wohnmobil zu finden leider aussichtslos. Die Strecke hier hatte schon alpinen Charakter, teilweise enge kurvenreiche Straßen mit heftigem Höhenunterschied. Weiter ging es dann Richtung Garmisch, wo wir jedoch wegen der dort vorherrschenden hohen Corona-Infektionsrate keinen Zwischenstopp einlegten und weiterfuhren zum Campingplatz Tennsee. Die Lage ist recht schön, aber auch hier war die Kapazitätsgrenze wohl erreicht, selbst Personen mit Buchungen mußten, da sie einen Tag früher angereist waren, draußen warten.

Und so sind wir dann auf dem Stellplatz Einsiedl am Walchensee gelandet. Dieser liegt etwas versetzt der Einfahrt der Mautstraße und ist mit 7,00 € pro Nacht relativ günstig. Frischwasser kann gegen Gebühr aufgenommen werden, ebenso sind einige Stromanschlüsse vorhanden. Allerdings gibt es keine Entsorgungsmöglichkeit. Wir haben hier eine ruhige Nacht verbracht. Am nächsten Morgen bin ich zur Zahlstelle der Mautstraße gegangen. Leider ist die Fahrt nur bis 4 t zGG erlaubt, wir haben aber 4,25 t zGG. Obwohl ich sicherlich mit dem Fahrzeug unter 4 t liege (gewogen ohne Roller 98 kg und Personen waren es 3,65 t) ließ sich der "Herr der Zahlstelle" nicht dazu bewegen uns die Fahrt zu gestatten. 

Also ging es entlang dem Walchensee über Kochel, Bad Tölz nach Lenggries , wo die Mautstrasse geendet hätte und uns damit einem Umweg von rund 25 - 30 km einbrachte. Landschaftlich wäre die Mautstrasse auch sicherlich interessanter gewesen. 

Es sollte diesmal eine lange Etappe werden, denn die Camping- und Stellplätze waren entweder alle gut gefüllt oder aber nicht sonderlich schön. Aber der Reihe nach.

Nach Lenggries sind wir entlang dem Sylvenstein-Stausee über Wildbad Kreuth an den Tegernsee und von dort an den Schliersee gefahren. 

Nachdem wir den Schliersee hinter uns gelassen hatten ging es über Bayrischzell (dort gab es einen schönen Stellplatz, der aber meiner "Ex-Verlobten" nicht zusagte) nach Oberaudorf. Gerade diese Strecke war für mich landschaftlich eine der schönsten. Irgendwie lagen dann aber mit zunehmender Fahrdauer die Nerven blank. Und so haben wir uns einfach einmal entschlossen einen Campingplatz zwischen Unter- und Oberwössen anzufahren. Was soll ich sagen, wir haben alles richtig gemacht. Der Camping Litzelau verfügt über alles, was benötigt wird und nimmt zudem noch die ACSI-Card. Es hat uns hier so gut gefallen, dass wir nach einem Tag vom Stellplatz auf den Campingplatz wechselten und dort vom 22.09. bis zum 27.09. blieben. Die dem Campingplatz angeschlossene Gastwirtschaft erwies sich als absolutes Highlight. Beim ersten Besuch bekam ich leider keine Schweinshaxe, dafür aber einen "göttlichen" Krustenbraten. Als wir dann noch einmal dort zum Essen waren gab es leider keinen Krustenbraten ..... dafür aber die "Schweinshaxe" ! Was will man mehr !

Vom Campingplatz aus gibt es einen ca. 3 km langen Wanderweg zum Wössener See in der Nähe von Unterwössen. Unterwegs entdeckt Margrit auf dem Weg eine Blindschleiche, die sich auf den Steinen sonnte, etwas später beginnt dann der kurze Abstieg zum See. Dieser künstliche Badesee wurde durch den Bau eines kleinen Damms im Jahre 1932 angestaut und dient heute der Erholung für Touristen und Einheimische. Leider hatte der Gastronomiebetrieb Ruhetag, sodaß wir uns ohne eine Stärkung auf den Rückweg machen mußten. 

Leider hatten wir nach diesem schönen Tag zwei Tage mit Regen zu überstehen, die Schweinshaxe in der Gaststätte am Platz hat uns die Zeit leichter überstehen lassen. Dann ging es mit dem Roller zur Winklmoss Alm. Die Mautstraße hat Steigungen bis 18%, was meinen armen Roller doch sehr viel abverlangte und die Geschwindigkeit manchmal auf bis zu 25 km/h abfallen ließ. Letztendlich erreichten wir dann doch die Alm, wobei wieder einmal "einige andere Personen" auf die gleiche Idee gekommen waren. 

Winklmoos Alm ..... da war doch was ! Ja, wir bewegen uns wieder auf den Spuren bekannter Skiläuferinnen. Die Geschwister Mittermaier stammen von der Winklmoos Alm, wobei Rosi Mittermaier die Erfolgreichste der Schwestern ist.

Von der Winklmoos Alm schaut man hinüber nach Österreich zur Steinplatte. Wenn hier Schnee liegt (maximale Höhe ist eben "nur" rund 1800m Höhe) scheint dies ein schönes Skigebiet zu sein.

Zum Abschluss besuchen wir Reit im Winkl einen kleinen idyllischen Ort. Ich kaufe mir einen Hut, Margrit ein Strickjankerl und danach gönnen wir uns eine Brotzeit auf der Sonnenterrasse des Posthotels. Da es die Mittagszeit war kamen für mich nur Weißwürste und ein Weißbier in Frage (leider alkoholfrei wegen des Rollers).

Zum Abschluss unserer Tour hatten wir uns einen Stellplatz auf dem Camping Seehäusl bei Chieming ab dem 27.09. gebucht. Den Campingplatz kannten wir von unserer Kroatienrückreise im Jahre 2011 her. Die Fahrt dorthin ging über Reit im Winkl über das Naturschutzgebiet Weitsee (landschaftlich einmalig !) nach Ruhpolding - Inzell und von dort weiter an den Chiemsee.

Bei tollem Wetter bezogen wir unseren Platz in der ersten Reihe. Leider durften in diesem Jahr Corona bedingt die Tretboote (für Camper gratis) nicht genutzt werden. Dazu kamen dann auch noch zwei Tage schlechtes Wetter.....aber wir hatten ja Bücher dabei !

Die ISS zogen abends ihre Bahn über den Platz........

2011 hatten wir Herrenchiemsee besucht. Die Fraueninsel hatten wir ausgelassen und deshalb lag sie diesmal auf unserer Besuchsliste. Mit dem Roller ging es die rund 15 km nach Gstadt und von dort mit dem Schiff auf die Insel. 782 gründete Tassilo das Kloster, welches zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte. Auf der Insel gehen heute noch einige Fischer ihrem Gewerbe nach. So kann man hier auch frischen Fisch - vor allem Renken - aus dem Chiemsee zu sich nehmen.

Chiemseeimpressionen

Wer unsere früheren Berichte gelesen hat, dem müßte eigentlich eines klar sein. Wenn wir schon in dieser Gegend sind, dann will meine "Ex-Verlobte" auch nach Rosenheim zu Gabor. Das hatten wir auf unserer Rückfahrt eingeplant. Schuhe gekauft und dann weiter Richtung Sulzemoos zum Freistaat. Hier noch ein paar Kleinigkeiten für das Wohnmobil erstanden, die Übernachtung aber wegen der aktuellen Wohnmobilmassen verworfen. Weiter Richtung Augsburg und damit in einen heftigen Stau (Vollsperrung). Erst spät erreichen wir den Stellplatz und der ist natürlich komplett belegt. Also weiter auf den Ausweichstellplatz....nicht schön, aber für eine Nacht sollte es gehen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Dinkelsbühl. Circa 200m von der historischen Altstadt entfernt befindet sich ein Wohnmobilstellplatz, den ich empfehlen kann. Direkt gegenüber ein Einkaufsladen, in dem man auch morgens frische Semmeln erwerben kann. Die Altstadt von Dinkelsbühl ist einen Besuch wert. Wäre die Altstadt für Autos gesperrt, man käme sich vor wie ins Mittelalter versetzt. Den Besuch des Museums im Haus der Geschichte und den Besuch des Sankt Georgs Münster kann ich nur jedem ans Herz legen.

Leider wurde das Wetter zusehends schlechter, feucht und kalt. Deshalb haben wir nach der Besichtigungstour unseren ersten Tafelspitz im Gasthaus zur Glocke (mit angeschlossener Metzgerei) gegenüber dem Eingang zum Sankt Georg Münster zu uns genommen .... 

Den geplanten Zwischenstopp mit Besichtigung von Rothenburg ob der Tauber haben wir wetterbedingt deshalb ausfallen lassen und sind von Dinkelsbühl direkt nach Hause gefahren.

Fazit:

Deutschland ist ein tolles Reiseland. Beeindruckende Landschaften und gepflegte historische Sehenswürdigkeiten gibt es zuhauf.

Also : Willst Du immer weiter schweifen ? Sieh, das Gute liegt so nah.   

 

Was fiel negativ auf ? Leider erfährt das Campen - wohl durch die Corona Situation - eine derartige Nachfrage, dass die Infrastruktur dem nicht Rechnung tragen kann. Außerdem sind viele wohl durch irreführende Reklamen (bleiben wo Du willst ... Lagerfeuer am See) der Meinung, dies sei mit dem Erwerb eines solchen Fahrzeugs erlaubt. Das Fehlverhalten solcher "Camper" (z.B. auch saufen bis der Arzt kommt, grölen und Beschallen des Stellplatzes mit "Ballermann-Musik" in Ermangelung einer möglichen Reise dorthin) führt dann zu einer Verallgemeinerung und entsprechenden Restriktionen gegenüber allen Campern. Hoffen wir also, dass Corona bald überstanden und solche Zeitgenossen wieder das "All-Inclusiv-Reisen" für sich entdecken.