Teil 2: Städtetour - Rückreise - Fazit


Die erste Stadt, die auf unserer Liste stand, war Sevilla. Wir haben uns für den Campingplatz Villsom in Dos Hermanas entschieden. Von hier aus verkehren die Busse halbstündig nach Sevilla, Endstation Placa de Espana, also mitten in der Stadt. Wegen einer leichten Erkältung legen wir erst einmal eine Pause ein, bevor wir am 26.10. die Besichtigung starten.

Am Placa de Espana kommen wir in den Genuss einer gratis Flamencovorführung. Wir schlendern dann weiter, vorbei an der Oper bis zur Kathedrale Santa Maria de la Sede. Hier reihen wir uns in eine ordentliche Warteschlange ein und erreichen nach 30 min den Ticketschalter. Das Zauberwort "pensionistas" sollte uns eigentlich eine ordentliche Ersparnis einbringen, der Rentenausweis allein reicht jedoch nicht (die Ausweise, Kreditkarten etc. hatten wir wegen der Warnung vor Langfingern im WoMo gelassen). Also voller Eintritt. Egal.

Die Kathedrale ist absolut sehenswert und beherbergt das Grab von Christoph Kolumbus

Eigentlich wollten wir noch die Anlage Reales Alcazares besichtigen und reihen uns optimistisch in die Schlange ein. Margrit geht sie mal ab und kommt mit der Nachricht einer ca. 2 stündigen Wartezeit zurück. Da erscheint eine Frau und fragt, ob wir Rentner seien (sehen wir etwa so aus ???). Freudig wird das bejaht, denn sie hat zwei Eintrittskarten für "pensionistas" übrig. Wir verlassen die Reihe um fünf Minuten später zu erfahren, dass wir bei der Einlasskontrolle unsere Ausweise zeigen müssen....das war's also. Die Schlange ist größer geworden und wir beschließen: Nie mehr ohne Ausweise ! Uns jetzt zweieinhalb Stunden in der Sonne braten zu lassen wollen wir auch nicht. Die Tiere freut es sicher, wenn wir etwas früher zurück sind. 

Im Jahre 206 v.Chr. besiegten die Römer in der Nähe von dem heutigen Alcala del Rio eine zahlenmäßig überlegene karthagische Armee und vertrieben die Karthager von der iberischen Halbinsel. Die Verwundete und Veteranen gründeten einen Ort (Italica) in der Nähe des heutigen Santiponce. Die Besichtigung dieses Ortes ist zu empfehlen. Einerseits gibt es dort ein römisches Theater (welches aber nicht zu besichtigen war), andererseits die Ruinenstadt Italica mit dem Amphitheater, welches Platz für rund 30000 Zuschauer bot und einer der größten Anlagen seiner Art war. 

Auch unbedingt zu empfehlen ist die Besichtigung des Klosters San Isidoro del Campo, welches man am Eingang des Ortes von Sevilla kommend findet.

Bis nach Cordoba wollen wir nicht noch fahren und entscheiden uns für eine Zwischenübernachtung in Fuentes de Andalucia. Dieser Ort liegt ziemlich genau zwischen den beiden Städten und nur ca. 5 km von der A4 entfernt. Hier wird ein kostenloser Stellplatz für 5 Mobile am Ortsrand vorgehalten. Brot gibt es morgens in der Bar der Tankstelle, welche ca. 100 m entfernt ist. Ein toller Platz für eine Nacht mit Ent- und Versorgung, jedoch ohne Strom.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Cordoba, wo wir auf dem Stellplatz (Parkplatz) Centro Historico unsere "Zelte" aufschlagen. Das stimmt nicht ganz, denn Campingverhalten ist hier strengstens verboten. Dafür übernachtet man in der Nähe der Polizeistation, was für ein gewisses Sicherheitsempfinden sorgt. Vorteil ist vor allem die Nähe zur Altstadt.

In Cordoba besichtigen wir die Kathedrale, die Mezquita. Dieser maurische Bau ist von ein unglaublichen Schönheit. Rund 800 Säulen mit Rundbögen tragen die Decke, egal in welche Richtung man schaut, die Weite und die Leichtigkeit des Gebäudes beeindrucken. 1523 wurde dann eine Kathedrale inmitten des Gebetsraums errichtet und das Minarett zum Glockenturm umgebaut. Ein ungeheuerlicher Stilbruch, der aber wiederum die maurischen und die christlichen Baukunst vereint. 

Wir schlendern zur römischen Brücke und dem römischen Tor, die Altstadt beeindruckt mit seinen Gassen, Cafés und Lokalen, die zum Verweilen einladen und so beschließen wir den Stadtbummel mit einen kleinen Imbiss.

Ein Tag auf dem Stellplatz war genug, deshalb sind wir  zuerst einmal 7 km weiter gefahren. Auf unserer Liste stand die Besichtigung der Medina Azahara. Abd ar-Rahman III erließ im Jahre 936 den Befehl zum Bau dieser Palaststadt, welcher rund 25 Jahre dauerte. Zur Blütezeit lebten in dieser Stadt 30000 Einwohner. Im Jahre 1010 fielen Berber ein und zerstörten die Stadt, die daraufhin in Vergessenheit geriet. Erst zum Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Ausgrabungen. Ein Besuch und Rundgang ist beeindruckend und zu empfehlen.

Wir beschließen nach all den Besichtigungen ein paar Tage zu entspannen und fahren deshalb den Camping Cordoba an. Auch von hier aus ist die Besichtigung Cordobas möglich, da die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmittel gut zu erreichen ist. Letztmalig in diesem Urlaub gehe ich in einem ungeheizten Pool eines Campingplatzes baden.....wir schreiben den 30.10. !

Die Welt besteht aus Olivenplantagen......

Auf unserer weiteren Fahrt nach Jaen fahren wir nur an Olivenplantagen vorbei, und das sollte bis kurz vor Granada eigentlich so weitergehen. Monokulturen wohin das Auge reicht, schön geht eigentlich anders !

Jaen, die Hauptstadt des Olivenöls. Wir fahren zuerst einmal auf das Castillo de Santa Catalina. Mit dem WoMo schaffen wir es bis kurz vor den Eingang zur Burg. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die Stadt und unser nächstes Ziel - die Kathedrale.

Die Fahrt zum Stellplatz durch die Stadt entpuppt sich als schwierig. Wie sagte ein Nachbarin ..... "einmal im Urlaub fährt man sich halt fest !" So war das dann auch und entnervt haben wir von dem Vorhaben die Kathedrale zu besichtigen abgesehen ....... und so sind wir - durch Olivenplantagen - nach Ubeda weitergefahren.

Dort gibt es einen schönen kostenfreien Stellplatz von dem aus man die sehenswerte Altstadt gut zu Fuß erreichen kann.

Ich habe mir dann noch etwas Süßes gegönnt. Crêpes mit Schokolade und einen Café Hospidal mit Schokoladeneis ....... himmlisch.

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Granada und natürlich wie gehabt ..... durch Olivenplantagen.

30 km vor Granada möchte mein Ducato eine Werkstatt besuchen. Da aber kein Leistungsverlust zu spüren ist fahren wir bis zum Campingplatz La Zubia weiter und schlagen dort erst einmal unsere "Zelte" auf.

An der Rezeption buchen wir die Karten für die Alhambra (in 5 Tagen um 15:30h). Glück gehabt, denn wir erwischen zwei der letzten drei Karten. Der Campingplatz liegt sehr gut um mit dem Bus nach Granada zu fahren, außerdem sind große Einkaufsläden in der Nähe, das Restaurant am Platz ist sehr zu empfehlen und wir haben - trotz der vielen Bäume - auf unserem Platz Satellitenempfang. Was will man mehr ! Leider ist es schon heftig kühl und so kann ich den schönen Pool leider nicht mehr nutzen. Stattdessen wird abends im WoMo die Heizung angemacht - und im Restaurant der Kamin.

Die Leitung des Campingplatzes kümmert sich um ihre Gäste. So wird täglich ein abendlicher Ausflug nach Sacromonte zu "Tapas und Flamenco" angeboten. Der Bus holt die Gäste am Campingplatz ab und bringt sie später auch wieder zum Camp. Die Fahrt in Sacromonte entpuppt sich als abenteuerlich. Sehr schmale Straßen winden sich den Berg hoch. Die Häuser sind ähnlich wie in Guadix vor Höhlen gebaut und integrieren diese Höhlen in den Wohnbereich. Der Flamenco soll hier seinen Ursprung haben (das sagen aber viele andere Städte auch). Die früheren Einwohner bestanden hauptsächlich aus "Zigeunern" und Personen, denen es verwehrt wurde in dem Stadtteil Albaicin zu wohnen.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus nach Granada. Wir besichtigen die königliche Kapelle Granadas, in welchem sich die Gräber von Ferdinand und Isabella von Kastilien, sowie deren Tochter Johanna der Wahnsinnigen und Philipp dem Schönen befinden. Da fotografieren nicht erlaubt war, konnte ich leider nur zwei unzureichende Bilder mit dem Handy machen.

Danach schlendern wir durch den alten maurischen Stadtteil Albaicin, der unterhalb der Alhambra liegt und von dieser durch den Rio Darro getrennt wird.  Hier haben sich in letzter Zeit wieder vermehrt Muslime niedergelassen, sodass der Stadtteil wieder eine entsprechende Atmosphäre ausstrahlt. Enge steile Gassen und eine Straße ähnlich einem Souk.

Endlich ist es soweit, der Tag für die Besichtigung der Alhambra ist gekommen. Wieder fahren wir mit dem Bus in die Stadt und steigen dann in die Kleinbusse, die zur Alhambra fahren um. Obwohl Anfang November eigentlich keine Hauptsaison mehr ist, wimmelt es nur so von Touristen. Die Karten berechtigen uns an diesem Tag zum Eintritt in die Anlage, die Nasridenpaläste dürfen wir allerdings erst um 15:30h betreten, keine Minute früher. Unser Zeitkorridor zum Eintritt beträgt 30 Minuten, danach wären unsere Karten verfallen.

Somit besichtigen wir zuerst einmal die Anlage, begeben uns zur Alcazaba, wo das Militär untergebracht war und von wo aus man einen tollen Blick auf die Stadt Granada, Albaicin, Sacromonte und die Berge der Sierre Nevada hat, auf denen bereits der erste Schnee gefallen war.

In der Gesamtanlage befindet sich ebenfalls der Palast Karls V, den er ab 1526 hier errichten ließ. Der Palast ist eines der bedeutendsten Werke der Baukunst der Hochrenaissance außerhalb Italiens. Darin befindet sich auch das Museo de la Alhambra, was wir uns gerne noch angeschaut hätten (draußen war es kalt), was aber um 14:30h bereits schloß und uns somit zwang in der "Kälte" (14 Grad) auf den Einlass in die Nasridenpaläste zu warten.

Endlich war es dann soweit ..... der Höhepunkt der Reise, die Nasridenpaläste.

Eigentlich möchte ich hier nichts darüber schreiben, staunen war angesagt. Gebäude und Räume von atemberaubender Schönheit und filigraner Ausgestaltung der Wände und Decken. Eigentlich kann man die Eindrücke garnicht alle aufnehmen und wie das die "Horden der Chinesen" geschafft haben, ist mir unerklärlich. Mit affenartiger Geschwindigkeit wurde alles fotografiert und sofort ging es weiter .... und wer aus Versehen im Weg stand, wurde halt umgerannt. Naja wir waren von Ronda her ja schon gewarnt. 

"Quien no ha visto Granada, no ha visto nada !"

Nun kann ich dieses geflügelte spanische Wort auch verstehen ....

WER GRANADA NICHT GESEHEN HAT, HAT NICHTS GESEHEN.


Rückreise


Es wurde jetzt Zeit die Rückreise anzugehen. Zuerst stand aber der Besuch der Fiatwerkstatt in Granada an. Der Diagnosestecker verriet, dass das AGR-Ventil dicht war. Der Motor durfte dann unter Aufsicht einige Minuten mit höherer Drehzahl laufen und alles war damit erledigt. Ich bekam noch den Tipp mit etwas höherer Drehzahl zu fahren ..... aber wie soll das gehen bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 bzw 90 km/h. Da kommt man in der Regel nicht über 1700 U/min.

Weiter ging es über Murcia nach Los Banos de Fortuna und dort auf den Camping La Fuente. Hier blieben wir wieder ein paar Tage, was vor allem am guten Wetter und dem Thermalbad (36°) lag. Es war aber wieder so ein "Überwinterer-Platz", der ohne zusätzlichem fahrbaren Untersatz nicht zu empfehlen ist.

Weiter nach Torre la Sal nördlich von Valencia und hier auf den Campingplatz Torre la Sal 2. Der Platz liegt direkt am Meer, verfügt über mehrere Restaurants, Hallenbad und Fitness-Studio. Die Sanitäranlagen suchen ihresgleichen. Das ist wirklich mal ein Platz auf dem man überwintern könnte. Nachteil: Der Ferienort daneben mit Gebäuden die 5 bis 6 Stockwerke haben und nur aus Ferienwohnungen bestehen, glich einer Geisterstadt, der Camp dagegen war fast bis zum letzten Platz gefüllt. Hier bleiben wir weitere 4 Tage. 

Da sich das Wetter verschlechterte zog es uns doch Richtung Heimat. Wir haben noch viermal auf Stellplätzen übernachtet (Barcelona - Adge - Lyon - Freiburg) und sind dann wohlbehalten nach rund 10 Wochen wieder zu Hause eingetroffen. Auch mal wieder schön in den eigenen vier Wänden und auf erheblich mehr Wohnfläche zu leben !


Fazit:

Wir sind insgesamt rund 6500 km gefahren. Durch Frankreich hauptsächlich auf Autobahnen, was richtig teuer war, in Spanien auf dem Hinweg auch auf den autopistas (bis Valencia), den Rückweg allerdings auf der autovia oder den Landstraßen, die hier sehr gut ausgebaut sind. Eine großartige Verlängerung der Fahrzeit habe ich dabei nicht feststellen können.

 

Um diese Reise zu unternehmen sollte man mindestens 6 Wochen planen, alles andere würde in Stress ausarten. Sollte man weniger Zeit haben könnten nur Teilabschnitte abgefahren werden, ob sich das allerdings bei der langen Anreisestrecke lohnt, sei jedem selbst überlassen.

 

Die Spanier sind durchweg freundliche und hilfsbereite Zeitgenossen, die Landschaft wegen der Monokulturen aber gewöhnungsbedürftig. Vom mare plastico, über die Erdbeerplantagen, die Olivenregion im Landesinneren und das Anbaugebiet der Zitrusfrüchte um Valencia haben wir viel eintönige Landschaften gesehen. Beeindruckend wird die Landschaft aber, wenn solche Monokulturen nicht vorhanden sind, von Wüstenlandschaften, Wälder, Gebirgsregionen, Feuchtgebieten  bis Dünenlandschaften war alles vorhanden.

 

Überwintern ? Wer es mag ! Interessant war, dass uns auf der Rückfahrt unzählige Wohnmobile auf ihrem Weg in den Süden entgegen kamen. Die Plätze sind also ab Ende November gut gefüllt. Mir erschließt sich das alles nicht. Auf kleinen Stellplätzen Monate zu verbringen, wobei die Temperaturen auch nicht so sind, wie man sich das vorstellt, es morgens sehr lange dunkel ist und die Möglichkeiten etwas zu unternehmen sehr überschaubar waren. Nein, ich bleibe bei meiner Art zu reisen, häufig die Plätze wechseln und sich die Sehenswürdigkeiten ansehen......denn davon gibt es in Andalusien genug !

 


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